... der unvergessene Heimatdichter
                                    und Sänger des Erzgebirges


Anton Günther, als "Toler Hans Tonl" weltbekannt


Hans Günther, der Vater von Anton war ein Bergmann, der nach dem verheerenden Stadtbrand 1873 im nahegelegenen Joachimsthal wieder in sein Vaterhaus nach Gottesgab, einem Städtchen gleich hinter dem heutigen Grenzübergang nach Tschechien, zurückkehrte.
Hier gab es den Namen Günther recht oft, so dass ihm die Einheimischen den Beinamen Toler Hans gaben, weil er aus dem Tol (Joachimsthal) kam.

Als Anton Günther am 05. Juni 1876 in Gottesgab geboren wurde, erhielt er als Sohn des Toler Hans den Beinamen Toler Hans Tonl. Der Vater des kleinen Anton fand in einer Weißwarenstrickerei eine Anstellung als Musterzeichner und Sticker. Dabei war sein Verdienst jedoch zu gering, um alle zehn Kinder satt zu bekommen. Er mußte sein musikalisches Talent ausnutzen und spielte vor der Jugend aus Gottesgab und Oberwiesenthal im berühmten Grenzgasthaus "Neues Haus" zum Tanz auf.

Als Anton 12 Jahre alt war, starb seine Mutter und so mußten auch die Kinder mit 5-6 Jahren schon am Klöppelsack sitzen und ein paar Kreuzer mitverdienen. Da jeder Groschen in seinem Elternhaus gespart werden mußte, nahmen ihn Freunde des Vaters als Kostgänger bei sich auf und so konnte Anton die Bürgerschule in St. Joachimsthal besuchen. Er lernte fleißig und beendete die Schule mit sehr gutem Erfolg.

Naturverbunden, wie er war, wollte Anton am liebsten Förster werden. Da er damit seine Geschwister nicht genügend unterstützen konnte, begann er im sächsischen Buchholz eine Lehre beim Lithographenmeister Eduard Schmidt. Dieser erkannte schon früh das zeichnerische Talent von Anton und sprach ihn 1895 schon nach drei statt vier Jahren frei.

Im Jahre 1895 ging er nach Prag und verdiente in der K.+ K. Hollithographie Haase sein erstes Geld.
In dieser großen Stadt fehlte ihm jedoch die Heimat mit seinen Bergen und Wäldern, so dass er sich in Prag nie richtig wohl fühlen konnte.

In Erinnerung schwelgend, fanden sich hier wöchentlich einige Gottesgaber zu den "Gutsgewer Omden" zusammen, sangen Lieder und erzählten von der Heimat.

In seinen sechs Prager Jahren entstanden so Lieder, wie: "Drham is Drham", "Mei Vaterhaus" und
"De Ufenbank".

Seine Landsleute wollten Abschriften haben und Anton kam auf die Idee mit den Liedpostkarten.
So entstanden in seinen Prager Jahren 23 verschiedene Postkarten.
Die einfachen, natur- und heimatverbundenen Texte und Melodien ließ Anton drucken und schickte sie seinem Vater, welcher die Karten dann zusammen mit Julius, Antons Bruder verkaufte.

Im Jahre 1901 starb der Vater und Anton mußte nach Gottesgab zurückkehren , um sich um seine Geschwister zu kümmern. Er stach mit seinem Bruder Julius Torf, sammelte Holz, mähte Gras und versorgte die Ziege und eine Kuh. Nach getaner Arbeit nahmen sie Rucksack, Pfeife und Tabak, ein Stück Brot und einige hundert Stück Liederkarten und wanderten durchs Erzgebirge.

Im September 1903 feierte der Erzgebirgsverein im Schneeberger Hotel "Goldene Sonne" sein 25-jähriges Jubiläum. Anton Günther wurde eingeladen und fand damit neue Betätigungs- und Erwerbsmöglichkeiten.

Vier Jahre später besuchte der sächsische König Friedrich August mit seiner Familie wieder einmal den Fichtelberg. Hier sang Anton Günther einige seiner schönsten Lieder, unter anderem "Wu de Wälder haamisch rauschen". Dieses Lied gefiel dem König am besten und bald reichte Antons Popularität weit über Sachsens Grenzen hinaus.

1908 folgte ein Auftritt vor dem Erzherzog Franz Josef auf dem böhmischen Keilberg. Auch Darbietungen in Berlin, Prag, Leipzig, Dresden und Wien waren bald keine Seltenheit mehr und so wurden seine Lieder auch auf Schallplatten aufgenommen und im Rundfunk gesendet.

Im Sommer 1908 heiratete er mit 32 Jahren Marie, die Tochter des Gollesgaber Zimmenneisters Zettl. Zufriedenheit, Sparsamkeit und Fleiß ermöglichten den Erwerb eines kleinen Häuschens am Ortsrand von Gottesgab, dass der Schwiegervater Zettl ausbaute. Seine Frau schenkte ihm im Laufe einer harmonischen Ehe die Kinder Erwin, Maria und Irmgard. Die Arbeit zu Hause mußte von seiner Frau oft allein verrichtet werden, da Anton viel unterwegs war.

Als der erste Weltkrieg ausbrach, wurde er Soldat und auch bald verwundet. Am 01. November 1916 durchschoss ihm ein Granatsplitter den linken Fuß und er mußte lange Zeit im Lazarett verbringen. Bis zum Kriegsende leistete er Hilfsdienste hinter der Front und als er wieder nach Hause kam, war sein Bruder Julius gefallen und der Schwiegervater gestorben.

Nach der Kapitulation Österreich-Ungarns lag Gottesgab direkt an der deutsch-tschechischen Grenze und strengere Devisenbestimmungen behinderten seine Auftritte und den Verkauf seiner Liedpostkarten.


Gottesgab in Tschechien
Anton Günther
 
Anton mit seiner Frau Marie
 
Anton Günther dichtet und spielt Heimatlieder
 
Liedpostkarte "Drham is drham"
 
Liedpostkarte "Mei Vaterhaus"
 
Liedpostkarte "De Ufenbank"
 
Liedpostkarte "Bleibn mr noch aweng do"
 
Liedpostkarte "De Draakschenk"

Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 verschlimmerte sich dieser Zustand weiter, aber die von Not und Elend betroffenen Menschen fanden in den Liedern von Anton Günther Kraft und Zuversicht. Viele Menschen, ja sogar ganze Schulklassen pilgerten zu seinem Haus, unterhielten sich mit ihm und lauschten seinen Liedern.

Sein 60. Geburtstag war ein großes Ereignis, viele Menschen und Vereine versammelten sich in Gottesgab und widmeten ihm auf dem Marktplatz einen Stein mit den Anfängen seiner Lieder sowie eine Gedenktafel.
Die Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag gaben ihm noch einmal Kraft und Auftrieb. Dauerhaft war diese Lebensfreude aber nicht, denn bald nach dem Machtantritt Hitlers wurden die Tschechen, Nachbarn und Freunde Anton Günthers zu Feinden, erklärt. Gleichzeitig wollten die Nazis den überaus populären, aber parteilosen Dichter für ihre Ziele mißbrauchen.
Anton Günther aber zog sich zurück und schied am Nachmittag des 29. April 1937 freiwillig aus dem Leben. In einem Brief an seine Frau und seine Kinder machte er "... die Verhältnisse, denen er nicht mehr standhalten könne ..-", zur Ursache seines Todes.

Im Laufe seines Lebens komponierte er an die 140 Lieder.
Seine Kunst lebt weiter in den Herzen der Menschen, denn er wurde zum "Sänger des Erzgebirges".

Anton Günther blieb immer seiner Heimat treu, so wie die Menschen bis zum heutigen Tage seinen Liedern treu geblieben sind.

Anläßlich des 125. Geburtstages von Anton Günther fand am 09. Juni 2001 eine Kulturveranstaltung am Gedenkstein in Gottesgab statt. Es traten viele Erzgebirgsgruppen auf und sangen seine Lieder.
Neben vielen Anhängern und Verehrern waren auch die Enkel von Anton Günther anwesend.

 

Liedpostkarte "Deitsch on frei wolln mr sei"
Liedpostkarte "Schneeschufahrer-Marsch"